Das Gesicht dieser Schauspielerin kämpft gegen imaginäre Gegner, gerade weil es sich kampflos ergibt. Es ergibt sich nicht, daß eine Frau zu einer andren wird, die sie darstellen soll, sondern ihr Gesicht, in dem sich das alles abzeichnen soll, ergibt sich, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Das heißt nicht, daß es keinen Widerspruch wahrhaben oder gar dulden wollte, es kennt einfach keinen. Dabei ist sogar Schminke ein Widerspruch gegen dieses im Grunde dann doch immer wieder vollkommen ungeschminkte Gesicht, das sich gegen dieses hartnäckige Durchgestrichenwerden von Visagisten und Maskenbildnern aber gerade: nicht zur Wehr setzt. Es ist wehrlos, denn es ist das Gesicht einer Schauspielerin, deren Arbeit nicht im Kämpfen, nicht in Gegenwehr besteht. Dieses Gesicht gesteht alles. Und dieses Gesicht will alles alleine machen. Es will nichts wiedergutmachen.
aus: Elfriede Jelinek: Das wehrlose Gesicht. In: Chammah, Ronald (Hg.): Isabelle Huppert – Im Porträt. München: Knesebeck 2006, S. 21-28, S. 21-22.
Über die Schauspielerin
Isabelle Huppert;
Huppert
wirkte an den Filmen
Malina
(1991) und
La Pianiste (Die Klavierspielerin)
(2001) mit; ihr Gesicht sei die Brücke, über die die Wahrheit komme. Auch wenn sie für Modefotografen als Model posiert (
Mode
), sei sie immer eine Schauspielerin.